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Ölpreis stürzt nach ungewöhnlich hohen Lagerbestandsdaten Drucken E-Mail
Donnerstag, 30. Juli 2009 um 22:22 Uhr

Der Wert des Rohöls verzeichnete gestern einen deutlichen Preissturz. Der zuvor veröffentlichte Bericht der US-Rohöllagerbestände verdeutlichte einen plötzlichen Anstieg an Energievorräten. Während der Bericht den Status von Nachfrage, Versorgung sowie Wachstumserwartungen in der Regel nur in Teilen widerspiegelt, war die Botschaft gestern äußerst deutlich: die Nachfrage ist schwindend. Viele Analysten erwarteten nach dem Preisanstieg der letzten Woche, eine abwärtsgerichtete Preiskorrektur für Rohöl. Der Bericht der US-Lagerbestände stellte jedoch erneut klar, dass sich die Marktteilnehmer derzeit wenig für den Rohstoff interessieren, was zusätzlichen Abwärtsdruck auf das Schwarze Gold erzeugte.

Dollar baut Gewinne gegenüber Hauptwährungen aus

Der Dollar steigt weiterhin in seinem Wert gegenüber den übrigen Hauptwährungen. Während des gestrigen Handelstags erreichte die US-amerikanische Währung nahezu ein neues 2-Wochen-Hoch gegenüber dem EUR.

Darüber hinaus markierte der Dollar einen bedeutenden Aufwärtstrend gegenüber Pfund und Yen.

Allem Anschein nach ergaben sich diese zinsbullischen USD-Tendenzen gestern, nachdem das Gesamtergebnis der US-Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter für Juni positiv ausgefallen war. Weiteren günstigen Einfluss auf den Dollar, nahm die Stellungnahme der Volksrepublik China, ihre eher lockere Währungspolitik vorerst aufrechtzuerhalten. Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter in den USA für den Monat Juni verdeutlichte zwar, dass die Orders gegenüber Mai um 2,5% gesunken sind. Die positive Stimmung ergab sich jedoch aus dem Ergebnis des Ordereingangs ausschließlich des Transportbereichs, für den ein Plus von 1,1% gemeldet wurde.

Der Unterschied zwischen den beiden Berichten: Der Kernbericht misst die Veränderung des Gesamtwertes neuer Auftragseingänge von Herstellern langlebiger Wirtschaftsgüter, exklusive Transportgüter. Aufträge für Transport (Fahrzeuge, Luftfahrt) sind bekanntlich äußerst volatil und haben dementsprechend das Potenzial, die zugrundeliegende Entwicklung zu verzerren. Dementsprechend messen Investoren im Allgemeinen mehr Bedeutung dem Kernbericht bei. Der Bericht kennzeichnete zum dritten Monat in Folge Anzeichen positiven Wachstums, was Händlern darin stützt, auf ein baldiges Ende der globalen Rezession zu hoffen.

Wichtigster Indikator aus den USA am heutigen Handelstag ist der um 14:30 Uhr zu veröffentlichende Bericht der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe der Woche. Während die meisten Wirtschaftsindikatoren der US-Wirtschaft aktuell Anzeichen einer Verbesserung erkennen lassen, bleiben die Arbeitsmarktzahlen weiterhin negativ. Laut Einschätzung von Experten, haben in der vergangenen Woche 578.000 Personen einen Erstantrag auf Arbeitslosenunterstützung gestellt. Sollten sich die Prognosen bestätigen, könnte nun das mit Abstand schlechteste Ergebnis dieses Monats für den Arbeitsmarkt veröffentlicht werden. Folglich könnte sich die Nachfrage nach dem „sicheren“ USD wieder steigern und somit den zinsbullischen USD-Trend weiter antreiben.

Deutscher Verbraucherpreisindex markiert ersten jährlichen Rückgang in 22 Jahren

Der EUR verbuchte gestern Kursverluste gegenüber einem Großteil der Hauptwährungen. Aktuell bewegt sich der EUR auf dem Level eines neuen 2-Wochen-Tiefs gegenüber dem USD. Das Paar fiel auf 1,40 zurück. Auch zum Britischen Pfund verlor der EUR im Laufe des gestrigen Handelstages deutlich an Boden.

Diese Entwicklung ergab sich, nachdem das Ergebnis zum deutschen Verbraucherpreisindex überraschend negativ ausgefallen war. Der Indikator misst die Veränderung des Wertes aller Güter und Dienstleistungen, die von Personen innerhalb Deutschlands erworben werden. In Anbetracht dessen, dass Deutschland nach wie vor als Europas stärkste Wirtschaftszone gilt, ist die Auswirkung der Konjunkturzahlen dieser Industrienation dementsprechend stark auf den EUR. Der Index verzeichnete im Monat Juli einen Rückgang von 0,6%.

Damit ergibt sich der erste jährliche Rückgang der Verbraucherpreise in Deutschland in 22 Jahren. Vom starken Preisrückgang sind nur die Bereiche Energie und Nahrungsmittel als Folge der globalen Rezession betroffen. Eins wird hier besonders deutlich: Jegliche negativen Ergebnisse aus der deutschen Wirtschaft haben das Potenzial, den EUR in nächster Zukunft zu schwächen.

Auch heute steht ein weiterer wichtiger Indikator auf dem deutschen Wirtschaftskalender. Um 09:55 Uhr gibt die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktdaten für Juli, die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt, aus. Analysten gehen von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland um 44.000 Anträge im Monat Juni aus. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, könnte dies die Fortsetzung des jüngsten Abwärtstrends für den EUR bedeuten.

Yen geschwächt durch schwache Einzelhandelsumsätze

Gegenüber den meisten seiner Währungsgegner verzeichnete der Yen gestern Abwärtstendenzen. Dabei rutschte der JPY um über 100 Punkte gegenüber dem Dollar sowie über 200 Punkte gegenüber dem Britischen Pfund ab.

Ursache hierfür waren die schwachen Ergebnisse des Einzelhandels. Der Bericht verdeutlichte, dass der Gesamtumsatz im Einzelhandel im Monat Juni um 3,0% gefallen ist. Die Prognosen lagen bei einem Rückgang von 2,5%. Insgesamt gingen die Zahlen zum 10. Monat in Folge zurück und erreichten somit einen Rekordrückgang seit 2003. Trotz erster Anzeichen einer Erholung der japanischen Wirtschaft, was größtenteils auf positive Exportzahlen zurückzuführen ist, zeigen sich Japans Staatsbürger nach wie vor abgeneigt, das Konsumptionsniveau des letzten Jahres wieder aufzunehmen. Immer noch mangelt es an japanischem Optimismus.

Für heute wird eine Reihe wichtiger Konjunkturdaten aus der japanischen Wirtschaft erwartet. Händler sollten die Kernrate des Tokio Verbraucherpreisindexes unbedingt im Auge behalten. Dieser Bericht gilt als einer der führenden Inflationsindikatoren für Japan und nimmt demnach im Allgemeinen großen Einfluss auf den JPY-Wert. Sollten sich die Erwartungen bestätigen, nach denen Experten von einem Rückgang um 1,7% ausgehen, könnte der Yen noch im weiteren Handelsverlauf heute an Boden gegenüber den Hauptwährungen verlieren.

Wird das Barrel Rohöl bis unter die $60-Marke fallen?

Der Ölpreis setzte auch gestern seine Talfahrt fort. Noch am Morgen wurde das Barrel Rohöl bei $66 gehandelt, während es mittlerweile bis auf $63 abgerutscht ist. Diese Entwicklung lässt sich eindeutig auf das gestrige Ergebnis der wöchentlichen Rohöllagerbestände zurückführen. Hier zeichnete sich überraschend starker Anstieg der US-Lagerbestände ab. Während Experten einen Rückgang um 1,1 Mio. Barrel prognostizierten, ergab sich tatsächlich ein Anstieg um 5,1 Mio. Barrel.

Experten waren überwiegend von einem Rückgang der Preise ausgegangen, insbesondere da Rohöl bereits auf einem „überkauften“ Preisniveau gehandelt wird. Der Anstieg der Lagerbestände setzt den Ölpreis nun weiter unter Abwärtsdruck. Darüber hinaus setzte der USD seinen Aufwärtstrend heute fort. Da Rohöl in USD bepreist wird, fällt der Preis des Rohstoffs in der Regel mit einem starken Dollar-Kurs.

Wichtige Veröffentlichung heute: Der Bericht der Erdgaslagerbestände um 16:30 Uhr. Auch dieser Bericht nimmt seinen Einfluss auf den Ölpreis: Ein Anstieg der Lagerbestände bestätigt die geringe Nachfrage. Größter Einflussfaktor auf den Rohstoff Rohöl bleibt jedoch der USD. Anleger sollten die Bewegungen des Dollars nicht aus den Augen verlieren.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 03. August 2009 um 22:27 Uhr
 

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