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Ölpreise überraschend zinsbullisch - USD schwächelt Drucken E-Mail
Mittwoch, 10. Juni 2009 um 21:49 Uhr

Viele Analysten erwarteten gestern leichte Abwärtstendenzen für Rohöl, angesichts des jüngsten Aufwärtstrends des USD, der sich aus den positiven US-Arbeitsmarktdaten der vergangenen Woche ergab. Dementsprechend überraschten die Ölpreise die Marktteilnehmer heute, als sie ihren aktuell zinsbullischen Trend fortsetzten und ein neues 7-Monatshoch bei $70 pro Barrel erreichten. Bei der gestrigen Ansprache des US-Finanzministers Geithner wurde deutlich, dass die USA die aggressive Krisenhilfe für die Wirtschaft und die Finanzmärkte fortgesetzt will, die Bemühungen um eine Konjunkturbelebung und eine Stabilisierung der Finanzmärkte sowie eine eventuelle Anhebung der US-Leitzinsrate umfasst. Safe-Haven-Anlagen sind demnach momentan keine stabile Investition. Händler sollten auch heute wieder mit hohen Kursschwankungen an den Märkten rechnen.

USD-Stärke verabschiedet sich für diese Woche

Der US-Dollar verlor im Laufe des gestrigen Handelstages an Stärke. Gegenüber EUR und GBP ergab sich eine Preiskorrektur nach den deutlichen Kursgewinnen zu Wochenbeginn.

Diese Entwicklung fand infolge von Mutmaßungen unter den Marktteilnehmer statt, die sich derzeit fragen, ob die Wirtschaftslage mittlerweile stabil genug sei, um eine Erhöhung der US-Leitzinsrate zum Ende des Jahres zu rechtfertigen. Nach dem gestrigen Börsengang rutschte der USD gegenüber dem EUR deutlich ab. Das beliebte Kurspaar wurde bei 1,4060 gehandelt. Ähnlich verhielt sich der Dollar zum Britischen Pfund und schloss hier zu Handelsende bei 1,6310.

Für den US-Dollar ergaben sich in der vergangenen Wochen größere Kursgewinne, nachdem der Dollarkurs im Monat Mai heftige abgerutscht war. Der zinsbullische Trend erfolgte, nachdem in der vergangenen Woche deutlich wurde, dass in den USA im letzten Monat weniger Arbeitsplätze eingespart wurden als erwartet. Die Freude über die Arbeitsmarktzahlen verlief sich jedoch schnell wieder im Sande, nachdem Analysten warnten, dass die Arbeitslosenrate in den USA nach wie vor steigt.

In den USA blieb es gestern insgesamt ruhig, da keine Fundamentaldaten veröffentlicht wurden. US-Finanzminister Geithner wies in seiner gestrigen Ansprache darauf hin, dass es eine Reform des globalen Finanzsystems gebe werde, deren Modell US-Präsident Barak Obama in der nächsten Woche vorstellen wird. Dies könnte den USD in seinem Kurswert wieder neu bestimmen. Insgesamt bleiben die Investoren zurzeit eher vorsichtig in Hinsicht auf große Dollar-Anlagen, insbesondere angesichts einer eventuellen Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank zum Jahresende.

Wichtige Wirtschaftsdaten stehen heute wieder auf der US-Agenda. Darunter um 14:30 Uhr die US-Handelsbilanz des Monats April sowie um 16:30 Uhr die US-Rohöllagerbestände der Woche. Sollten die Ergebnisse über den Erwartungen liegen, könnte der Dollar seine gestrigen Verluste gegenüber Gegenwährungen wie EUR und GBP möglicherweise ausgleichen. Sollten die Daten die Prognosen jedoch enttäuschen, könnte es heute auf einen ziemlich bärenhaften Börsengang für den Dollar hinauslaufen. Anleger sollten die Märkte gut im Auge behalten. Hier könnte sich eine besondere Gelegenheit bieten, aus den Kursschwankungen Kapital zu schlagen, die sich voraussichtlich nach Veröffentlichung der vorgenannten Wirtschaftsdaten ergeben werden.

EUR profitiert vom schwachen Dollar

Der EUR beendete den gestrigen Handel bei gemischten Ergebnissen gegenüber seinen Hauptgegenwährungen. Die Währung der 16 Nationen baute am Dienstag ihre Gewinne gegenüber dem USD weiter aus und wurde bei $1,41, angesichts eines umfassenden Dollar-Verkaufs gehandelt. Auch gegenüber dem JPY ergab sich für den EUR eine ähnliche Entwicklung. Dieses Paar kletterte bis zum Ende des Tages von 135,96 auf 137,12. Gegen den GPB wiederum verlor der EUR an Boden und rutschte über 60 Punkten ab, um bei 0,8620 zu notieren.

Ein wichtiger Indikator war gestern der Bericht zu den deutschen Industrieaufträgen. Deutschland, Europas stärkste Wirtschaftszone, spielt eine entscheidende Rolle im europäischen Raum. Dementsprechend stark ist die Auswirkung der Konjunkturzahlen in der Regel auf den EUR. Die Erholung der deutschen Industrie hat mit den Ergebnissen einen Dämpfer erhalten. Die deutsche Industrieproduktion ist nach dem Rekordtief des ersten Quartals im April abermals gesunken, wenngleich die schrumpfenden Aktivitäten mit einem merklich verringerten Tempo fortschreiten.

Der deutsche Export ging stärker zurück als Experten für April erwartet hatten. Erkki Liikannen, EU-Kommissar und Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), betonte gestern des Weiteren, dass sich für die globale Wirtschaftslage derzeit keine schnelle Erholung abzeichnen würde. Deutschland zählt zu einer der führenden Exportländer weltweit. Seit vergangenem Jahr leidet die Industrienation unter einem globalen Nachfragerückgang deutscher Produkte. Die bekanntermaßen sparsamen deutschen Konsumenten konnten den schwerwiegenden Ausfall kaum aufwiegen.

Wichtigster Indikator aus der Eurozone für heute sind die Daten zur Industrieproduktion Frankreichs um 08:45 Uhr. Experten erwarten einen leichten Anstieg der Zahlen im Vergleich zu ihrer Vormessung. Anleger sollten ihr Augenmerk insbesondere auf diese Veröffentlichung richten. Sollten die Ergebnisse die Erwartungen übertreffen, könnte dies den EUR kurzfristig weiter in die Höhe treiben. Darüber hinaus sollten Händler die Daten der Industrieproduktion Großbritanniens um 10:30 Uhr sowie die US-Handelsbilanz um 14:30 Uhr beobachten, da die Ergebnisse die kommenden Tendenzen des EUR und seiner Crosse für die nächste Woche bestimmen können.

Yen wartet auf globalwirtschaftlichen Aufschwung

Der japanische Yen beendete den gestrigen Handel bei gemischten Ergebnissen gegenüber seinen Gegenwährungen. Gegen den EUR verzeichnete der JPY Kursverluste und brachte das oft gehandelte Währungspaar bis auf die 137,12-Marke. Gegen den GBP verhielt sich der JPY ähnlich. JPY/GBP schloss am Ende des gestrigen Handelstages bei 158,70. Zumindest gegenüber dem USD verzeichnete der JPY einen Gewinnzuwachs von 100 Punkten und notierte hier letztendlich bei 97,20.

Japans Wirtschaft scheint die Talsohle mittlerweile überwunden zu haben, nachdem der Inselstaat von China und anderen Länder Unterstützung erhält. Die Regierung von Ministerpräsident Taro Aso brachte mit ihrem Rekord-Konjunkturpaket die Verbraucherstimmung im Monat April auf ein neues 10-Monatshoch. Trotz Stabilisierung in Übersee sinken die Export- und Produktionszahlen in Japan weiterhin. Über ein Drittel sind diese seit Verschärfung der globalen Finanzkrise im September zurückgegangen. Die Entwicklung setzt Unternehmen weiterhin unter Druck, Arbeitsplätze abzuschaffen und Investitionen einzusparen.

7-Monatshoch für Rohöl

Die Ölpreise stiegen gestern zum zweiten Tag infolge aufgrund eines sich verbreitenden Optimismus, nach dem sich die Weltwirtschaft von ihrer Rezession erholen und die Ölnachfrage bald steigen könnte. Rohöl beendete den gestrigen Handelstag bei über $70 pro Barrel zum ersten Mal in sieben Monaten. Zuvor verbuchte der USD deutliche Kursverluste. Darüber hinaus eröffnen die Anleger ihre Rohöl-Positionen vor Veröffentlichung der US-Lagerbestände im weiteren Tagesverlauf.

Seit Februar sind die Ölpreise, entsprechend der Aktienmärkte, um mehr als das Doppelte gestiegen. Neue Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft sowie eine erhöhte Energienachfrage entsteht. Sollten weiterhin global positive Konjunkturzahlen ausgegeben werden, könnte sich der zinsbullische Trend des Rohstoffs fortsetzen. Anleger könnten jetzt Gewinne erzielen, da die Ölpreise höchstwahrscheinlich kurzfristig volatil bleiben.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 11. Juni 2009 um 21:54 Uhr
 

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